Eine Person sitzt entspannt auf einem Sofa in einer modernen Wohnung und schaut konzentriert auf ein Tablet, das sie in beiden Händen hält.

Barrierefreie Videos erstellen:
Transkripte, Untertitel & Co. richtig einsetzen

Warum barrierefreie Videos
jetzt unverzichtbar sind

Barrierefreiheit ist kein Trend, sondern Pflicht und ein starkes Zeichen dafür, dass Unternehmen Kommunikation wirklich ernst nehmen. Unternehmen die heute barrierefreie Videos erstellen oder ihre bestehenden Videoinhalte barrierefrei machen, zeigen Haltung und Weitblick. Denn mal ehrlich: Wenn ein Video nur funktioniert, solange Ton, Licht und volle Konzentration stimmen – ist das dann wirklich gute Kommunikation?

Wer digitale Videoinhalte erstellt, muss sie so gestalten, dass sie für alle zugänglich sind, unabhängig von körperlichen, sprachlichen oder kognitiven Voraussetzungen. Denn Barrierefreiheit steht für Inklusion, Chancengleichheit und die Wertschätzung aller Nutzer*innen. Und ja: alle heißt wirklich alle. Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung, neurodivergente Nutzer*innen, Menschen mit Sprachbarrieren, aber auch die, die schlicht ihr Smartphone auf lautlos haben, weil sie in der Bahn sitzen oder das Kind schläft.

Seit Juni 2025 ist’s außerdem offiziell: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet viele Unternehmen, digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zugänglich zu machen. Das betrifft Websites, Apps, Plattformen und eben auch Videos. Wer jetzt beginnt, BFSG-konforme Videos zu erstellen, tut nicht nur das Richtige, sondern spart sich später Stress, Bußgelder und hektisches Nachrüsten. Hier und heute zeigen wir dir, wie du barrierefreie Videos erstellst – mit Untertiteln, Transkripten und Audiodeskriptionen – und warum das mehr Reichweite, Vertrauen und Wirkung bringt.

Key Takeaways

1

Barrierefreiheit bei Videos bedeutet, dass Inhalte für alle zugänglich sind – egal ob mit Ton, ohne Bild oder mit besonderen Bedürfnissen.

2

Ob Transkription, Captions, Audiodeskriptionen oder Gebärdensprachdolmetsch – du erfährst, welche Form der Einbindung wann sinnvoll ist und wie du sie richtig kombinierst.

3

Ab Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Wir zeigen, was das für Unternehmen und ihre Videoinhalte konkret bedeutet.

4

Barrierefreiheit lässt sich planen. Schritt für Schritt erfährst du, wie du Videos barrierefrei produzierst – von der Idee bis zum BITV-konformen Videoplayer.

Was Barrierefreiheit bei Videos
eigentlich heißt

Barrierefreie Videos sind keine eigene Gattung, sondern schlicht: gute Videos, die niemanden ausschließen. Das betrifft vor allem folgende Personengruppen:

  • Menschen mit Sehbeeinträchtigungen bzw. blinde Menschen
  • Menschen mit Hörbeeinträchtigung bzw. Gehörlose
  • Personen mit kognitiven oder sprachlichen Einschränkungen
  • Menschen mit Neurodivergenz oder Lernbarrieren
  • Nutzer*innen, die Inhalte ohne Ton oder Bild konsumieren

Sie bestehen aus Bild und Ton – ergänzt um das, was einzelne Menschen brauchen, um Inhalte wirklich zu erfassen: barrierefreie Untertitel und Transkripte, ergänzende Audiodeskriptionen oder Gebärdensprache. So werden Videos nicht nur barrierefrei, sondern für alle verständlicher und klarer.

Transkripte, Untertitel & Co.: So machst du Videos barrierefrei

Transkripte: Eine vollständige, schriftliche Wiedergabe des gesprochenen Inhalts. Es ist die Grundlage, um barrierefreie Videos zu erstellen, und ideal für Menschen mit Hörbehinderung, aber auch ein klarer Pluspunkt für SEO. Suchmaschinen können Text indexieren, Ton aber nicht.

Untertitel: Zeigen den gesprochenen Text synchron im Bild und vermitteln auch weitere wichtige Informationen, wie Geräuschen, Musik, Lachen oder andere wichtige Klänge („[Lachen]“, „[Musik spielt leise]“).

Audiodeskriptionen: Ergänzen Videos um eine beschreibende Audiospur. Sie vermitteln visuelle Informationen – Gesten, Handlungen, Stimmungen – an sehbehinderte Nutzer*innen.

Gebärdensprache oder der Einsatz von Gebärdensprachdolmetsch: Ergänzt den Inhalt visuell und sorgt dort für Zugang, wo Mimik und Gestik wichtiger sind als Worte. Sie kann vor allem in erklärenden Videos eine zusätzliche visuelle Verständlichkeit schaffen.
 

Je nach Format brauchst du unterschiedliche Kombinationen, um Videos barrierefrei zu machen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt davon ab, wie dein Video Informationen vermittelt. Barrierefreiheit heißt nicht: alles für alle. Sondern: das Richtige für die Richtigen. Grob lassen sich vier Typen unterscheiden:

Wenn dein Video nur visuelle Informationen zeigt reicht eine Textversion als barrierefreie Alternative.

Hier brauchst du sowohl Untertitel (für alle, die nicht hören können oder wollen) als auch Audiodeskriptionen (für alle, die nicht sehen können). Diese Kombination stellt sicher, dass Bild- und Toninformationen für alle zugänglich sind.

Auch Live-Videos müssen zugänglich sein. Für den WCAG-Standard AA reichen zuschaltbare Live-Untertitel – aber wer’s ernst meint, organisiert zusätzlich eine Live-Audiodeskription.

Wenn dein Video selbst schon die barrierefreie Alternative zu einem Text oder einer Grafik ist – etwa eine filmische Umsetzung einer schriftlichen Anleitung –, brauchst du kein zusätzliches Transkript. Es erfüllt diese Funktion bereits.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG):
Was Unternehmen wissen müssen

Überblick und Ziel des BFSG

Das BFSG setzt die europäische Richtlinie zur digitalen Barrierefreiheit (European Accessibility Act) in deutsches Recht um und gilt seit Juni 2025. Das Ziel: Gleicher digitaler Zugang für alle Verbraucher*innen – unabhängig von Fähigkeiten oder Einschränkungen.

Betroffen sind öffentliche Einrichtungen ebenso wie private Unternehmen, die digitale Produkte oder Services anbieten. Also auch Websites, Shops, Videoinhalte auf Plattformen wie YouTube und audiovisuelle Medien.

Nicht sicher, ob du überhaupt betroffen bist? Mach unseren BFSG-Schnelltest.

Anforderungen an Videos durch das BFSG

Für Videos heißt das: Sie müssen barrierefreie Alternativen bieten. Dazu gehört das Bereitstellen von barrierefreien Untertiteln und Transkripten und – je nach Inhalt – Audiodeskriptionen. Aber auch der technische Rahmen zählt.

Ein barrierefreier Videoplayer (nach BITV- und WCAG-Vorgaben) lässt sich mit der Tastatur bedienen, ist mit Screenreadern kompatibel und übersichtlich strukturiert. Nutzer*innen mit Seh- oder motorischen Einschränkungen sollen sich genauso souverän durch die Steuerelemente bewegen können wie alle anderen.

Unternehmen müssen außerdem nachweisbar zeigen, dass sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Das kann über eine Barrierefreiheitserklärung, Testberichte oder Zertifizierungen geschehen. 

Wer Barrierefreiheit ignoriert, riskiert nicht nur Imageverluste, sondern möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen. Barrierefreiheit sollte dennoch nicht nur als Pflicht gesehen werden. Sie ist eine Chance, neue Zielgruppen zu erschließen, bestehende Nutzer*innen zufriedener zu machen und gleichzeitig ein starkes Signal: „Wir machen’s nicht, weil wir müssen, sondern weil wir wollen, dass alle mitkommen.“

„Bar­rie­re­frei­heit ist für 10 % der Men­schen un­er­läss­lich, für 30 % not­wen­dig und für 100 % nütz­lich.“

– Anne-Marie Nebe, Repräsentantin der deutschsprachigen Niederlassung der IAAP & Accessibility-/Usability Expertin bei T-Systems MMS

SAYING

So gelingt die Umsetzung
barrierefreier Videos

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Barrierefreie Videos erstellen

1. Denke Barrierefreiheit gleich mit:

Schon beim Konzept und der Videoproduktion solltest du festlegen, wie du Videos barrierefrei machst. Überleg: Wo braucht es eine Transkription? Wo hilft ein Transkript? Und wie machst du visuelle Informationen auch hörbar? Wenn du das früh planst, sparst du später doppelte Arbeit.

2. Erstelle ein sauberes Transkript:

Schreib den gesprochenen Inhalt inklusive relevanter Geräusche, Musik oder Pausen vollständig auf. Das ist die Basis für barrierefreie Untertitel, Suchmaschinen und alle, die lieber lesen als hören. Tools wie zum Beispiel Adobe Premiere Pro und Adobe After Effects helfen bei der automatischen Transkription, aber Feinschliff ist Pflicht.

3. Füge passende Untertitel hinzu: 

Untertitel sind nicht einfach Text im Bild. Sie müssen timinggenau, lesbar und vollständig sein. Bei Untertiteln unterscheidet man in Closed Captions und Open Captions. Closed Captions können vom Zuschauer ein- und ausgeschaltet werden (oft mit „CC“ gekennzeichnet). Open Captions sind fest in das Video eingebettet und können nicht ausgeschaltet werden. Du kannst sie mit einem Schnittprogramm deiner Wahl selbst erstellen. Achte dabei auf klare Sprache, sinnvolle Zeilenumbrüche und gute Kontraste.

4. Ergänze Audiodeskriptionen dort, wo sie gebraucht werden: 

Beschreibe in einer zusätzlichen Audiospur, was visuell passiert: Gestik, Handlungen, Emotionen. Das macht dein Video für sehbehinderte Nutzer*innen verständlich und oft auch für alle anderen angenehmer, weil es klarer erzählt ist.

5. Verwende einen BITV-konformen Videoplayer:


Nutze einen Videoplayer, der sich per Tastatur steuern lässt, mit Screenreadern funktioniert und deutlich sichtbare Bedienelemente hat. Das erleichtert nicht nur Menschen mit Einschränkungen die Nutzung, sondern sorgt allgemein für bessere Usability.

6. Teste dein Video (am besten mit echten Nutzer*innen):


Automatische Prüfungen sind gut, aber nichts ersetzt echtes Feedback. Lass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen dein Video testen. So findest du Barrieren, die kein Tool erkennt und beweist, dass du Barrierefreiheit ernst nimmst.

7. Dokumentiere, was du umgesetzt hast:


Halte fest, welche barrierefreien Maßnahmen du getroffen hast. Das hilft dir beim Nachweis der BFSG-Konformität und zeigt nach außen, dass du Verantwortung übernimmst. Bonuspunkt: Du hast direkt eine Checkliste für zukünftige Videoproduktionen.
 

Fazit:
Barrierefreie Videos zeigen Haltung

Barrierefreie Videos erstellen ist kein Trend, sondern die logische Konsequenz guter Kommunikation. Sie zeigen: Wir nehmen unser Publikum ernst – jedes einzelne Mitglied davon. Wer jetzt Videos barrierefrei macht, sichert sich nicht nur gesetzliche Konformität, sondern auch Vertrauen und Reichweite. Und das ist eine Investition, die sich doppelt auszahlt: menschlich und strategisch.

Unser Tipp: Prüfe jetzt deine bestehenden Videos auf Barrierefreiheit und mache sie BFSG-konform. Und ja, wir helfen dir gern dabei.

Portrait von Julia Baltrusch, Digital Creation und Motion Design bei Communicon. Sie steht auf einem Berg und man sieht Wald und Meer im Hintergrund. Sie trägt ein weißes T-Shirt und darüber ein blau-weiß gestreiftes Hemd. Sie lächelt freundlich in die Kamera.
Julia | Digital Creation & Motion Design

Barrierefreiheit liegt uns bei COMMUNICON besonders am Herzen, weil sie zeigt, was gute Kommunikation wirklich kann: verbinden statt ausschließen. Es wird so oft über Reichweite, Zielgruppen und Wirkung gesprochen aber dabei manchmal vergessen, dass echte Wirkung erst entsteht, wenn alle mitreden können.

Autor

FAQ:
Häufige Fragen zu barrierefreien Videos

Nicht jedes Video braucht jede Maßnahme. Aber seit Juni 2025 müssen alle öffentlichen und verbraucherorientierten digitalen Inhalte den BFSG- und BITV-Vorgaben entsprechen. Das heißt: Transkripte, Captions und ein zugänglicher Videoplayer sind Pflicht. Ist das bei dir der Fall? Mach unseren Schnelltest.

Ein Transkript ist der komplette Textinhalt – perfekt zum Nachlesen und für Suchmaschinen. Untertitel laufen synchron mit und machen das Gesagte sichtbar. Audiodeskriptionen erklären das Visuelle für Menschen, die nicht sehen können. Zusammengenommen entsteht Kommunikation, die unabhängig vom Sinneskanal funktioniert. Also echte Inklusion.

Der Aufwand hängt vom Videoformat ab. Viele Schritte lassen sich mit den richtigen Tools aber automatisieren. Wer Barrierefreiheit von Anfang an mitdenkt, spart Zeit und Kosten. Transkripte lassen sich aus dem Drehbuch ableiten, Untertitel aus dem Transkript. Audiodeskriptionen brauchen etwas mehr Liebe zum Detail, sind aber schnell integriert, wenn man weiß, worauf’s ankommt.

Mehr Sichtbarkeit, längere Verweildauer, stärkeres Markenimage. Wer Barrieren abbaut, baut Vertrauen auf. Barrierefreiheit ist keine Zusatzoption, sondern Teil moderner Markenführung. Und mal ehrlich: Es fühlt sich auch einfach besser an, wenn alle mitgucken können.